Home Das Brückelzwergel

Vor vielen, vielen Jahren ... 4

Benommen stieg Kurt die Steinstufen hinauf. Oben rief er seinen zwei Brüdern zu: "Ich habe das Brückelzwergel gesehen!"

Hurra, ich habe es gesehen! Na, die werden aber staunen.

"Was? Du spinnst," lachte Rolf ihn aus.

"Nein, es stimmt."

"Ja, wie sieht es denn aus? Na, jetzt weißt du nichts zu sagen." Horst hauchte gegen seinen kalten Hände, um sie aufzuwärmen.

"Doch," beteuerte Kurt. "Es hat grüne Haare, helle Augen und trägt einen blauen Schal."

"Was hat es denn gesagt?" Seine Brüder glaubten ihm nicht.

"Dass nichts Gutes kommt."

"Das ist alles?" meinte Rolf spöttisch.

"Es hat noch gesagt, dass es unter der Brücke wohnt."

"Das weiß doch jeder."

"Und was hast du dir gewünscht?" Rolf stemmte die Hände in die Hüften.

"Etwas Schönes."

"Sag' schon, was?" drängte Horst.

"Das verrate ich nicht."

"Raus damit, sonst gibt's Dresche," drohte Rolf.
"Ich habe mir gewünscht, dass ich das Brückelzwergel wiedersehe."

"O Mann! So ein Dummkopf!" Rolf schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.

"Warum hast du dir nicht Schokolade oder einen Sack voll Gold gewünscht?" fragte Horst verständnislos.
"Das ist mir nicht eingefallen."

"Einfaltspinsel!" schimpfte Rolf. "Sieht das Brückelzwergel und wünscht sich nichts besseres, als es wiederzusehen."

"Nu, Kinder, kommt schon!" schallte es vom Ende der Brücke, wo die Mutter den Wachsoldaten passierte.

"Kommt, die Mama ruft. Wir müssen uns beeilen!" mahnte Rolf.

Die drei Brüder liefen hinter der Mutter her, als ginge es um ihr Leben.




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