Kocherts Tier Monsterschüler


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Eines schönen Augusttages schaltete Frau Krähenschreck ihr Tablet mit spezieller Funk-Kabel-Verbindung ein, um die Großglockstadter Nachrichten zu lesen. Gleich auf der ersten Seite des lokalen Teils stand ein ausführlicher Bericht über die Schillerschule und deren geplante Veränderungen ab dem neuen Schuljahr. "Hör dir das an!", kreischte Nikis Mutter aufgeregt. "Die Killerschule wird Gemeinschaftsschule und damit Ganztagsschule. Alle können da hingehen, Migrantenkinder, lernbehinderte Kinder, Kinder mit einem körperlichen Handicap." (Die Monster nannten die Schillerschule spaßeshalber Killerschule.) "Was die sich alles einfallen lassen", knurrte Oma Krähenschreck, die mit einem Holzlöffel in einem dampfenden Blutsuppentopf rührte. "Können da auch Monsterkinder hingehen?" "Ich habe eine Idee!", unterbrach Frau Krähenschreck sie mit schriller Stimme. "Wir schicken Niki dort hin. Dann hat er bessere Lehrer und findet endlich heraus, was ihm wirklich liegt." "Aha", sagte die Oma trocken, umwirbelt von einer grünlichen Wolke Wasserdampf. "Bist du dir da sicher? Ich kenne niemanden, der sich das bisher getraut hat." Nikis Mutter blickte kämpferisch. "Das ist es ja! Die Zeiten ändern sich. Wir müssen umdenken und für unsere Kinder den besten Ausbildungsweg finden. Ich weiß, Niki ist ein wenig wankelmütig und sehr sensibel. Mein Instinkt sagt mir, seine große Chance ist oben in der modernen Gemeinschaftsschule."

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